Lesung am 16.Februar

Wir gestalten am 16.Februar 2020 wieder eine Lesung aus unserem Buch „zusammen gehalten“ mit anschließendem Austausch/Gespräch, diesmal in Lübeck.

Da der Veranstaltungsort nicht ganz so groß ist, wäre eine vorherige Anmeldung per Mail prima (siehe Flyer)- das ist aber keine Pflicht!!

Hier findet Ihr den Flyer zur Lesung.

Wir freuen uns darauf, Euch (wieder?) zu begegnen.

Liebe Grüße, Paula Rabe

Rückblick oder: Paulas Taschenkalenderzitate 2019

Januar: Wofür ver(sch)wende ich meine Lebensenergie? Und wieso will ich schon wieder Schokolade essen?

Februar: Komisch. Ich kann nicht mit und nicht ohne Menschen. Und die Vögel sind auch schon wieder so laut.

März: Äußerlich waren ca. 60-70 Zuhörer*innen bei unserer Lesung. Innerlich waren´s mehr. Hätte man die Energie umgeleitet, hätten wir damit die Stadt beleuchten können.

April: Toleranz ist am schlimmsten für die Betroffenen (Lisa Eckhart).

Mai: Irgendwo zwischen Ackerschachtelhalm, Blattläusen, Gemüsebeet, Kajakfahren und Blablabla bin ich ziemlich müde.

Juni: Theaterpremiere bei 32 Grad, unklimatisiert = Tschüß Deo, tschüß smokey eyes, tschüß Lampenfieber (Betriebstemperatur ist eh schon überschritten). Hallo Gelassenheit!

Juli: schwimmen ist das tollste auf der welt. es ist noch besser als schaukeln oder blaubeermuffinsbacken.

August: Klinikzeit, auf die wir fast ein Jahr gewartet haben. Wieso eigentlich?

September: wir müssen uns um Grundsätzlichkeiten kümmern, innen und außen. Was umkrempeln und neu planen und außerdem fühlt es sich seltsam an. Irgendwo.

Oktober: Ich bin anscheinend nicht so das Streuselkuchentalent.

November: 40 Jahre alt werden ist besser als erwartet und außerdem habe ich festgestellt: Ich kann Party!

Dezember: Wir waren noch nie so viel und so tiefgreifend traurig wie in diesem Monat. Das ist gut so. Kommt mir gesund vor.

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©PaulaRabe

Hilfe?! Was wir (nicht) tun können

Wir möchten ein paar Worte zu der Frage schreiben, was man tun kann, wenn man den Verdacht hat, ein Kind könne von ritueller, sexualisierter Gewalt akut betroffen sein.

Wir meinen, dass der Schutz des Kindes Priorität hat und ggf. Anlaufstellen wie der Kinderschutzbund, das Jugendamt, Erziehungsberatungsstellen, Sektenbeauftragte oder die Polizei kontaktiert werden sollten. Hilfreich ist es natürlich, wenn man zum betroffenen Kind eine möglichst vertrauensvolle Beziehungsbasis aufbauen und mit ihm gemeinsam weitere Schritte absprechen kann- aber möglicherweise wird es auch nötig sein, sehr zügig aktiv zu werden und eine sichere Unterbringung außerhalb der Familie (falls diese zum Täterkreis gehört) in die Wege zu leiten.

Wenn ein Kind bereits Opfer von Gewalt wurde, sollte es nicht auch noch durch Helfer*innen „ohnmächtig“ gemacht werden. Deshalb halten wir Kommunikation miteinander für sehr wichtig, sofern das Kind ein entsprechendes Alter hat. Allerdings denken wir auch, dass dieses „Miteinbeziehen in das weitere Vorgehen“ Grenzen hat. Ein Kind, das Gewalt erlebt, möglicherweise durch Familienangehörige o.a. nahestehende Personen, braucht Erwachsene, die Verantwortung übernehmen, sich schützend an seine Seite stellen, Entscheidungen zu seinem Wohl treffen und vor allem Halt und Verlässlichkeit vermitteln. Unserer Erfahrung nach scheint die Hemmschwelle, sich „einzumischen“ und wirklich unterstützend aktiv zu werden, wenn man Gewalt in seinem Umfeld ahnt oder mitbekommt, für viele Menschen sehr hoch zu sein. Deshalb möchten wir ermutigen, sich Unterstützung bei Fachinstitutionen zu holen, nicht alleine mit dem Verdacht zu bleiben und bitte, bitte nicht aus gefühlter Hilflosigkeit die Augen einfach wieder zu verschließen.

Es gibt Hilfestellen. Zum Beispiel das berta-Telefon zum Thema organisierte sexualisierte und rituelle Gewalt: 0800-3050750.

Und wenn man für ein (vermutlich) betroffenes Kind wirklich etwas tun möchte, dann tritt man den Institutionen, Sachbearbeitern*innen und anderen beruflich Helfenden so lange auf die Füße, wie man kann und es notwendig ist. Man engagiert sich vielleicht für ein Netzwerk, sammelt Infos, telefoniert herum und bleibt an der Seite des Kindes- eventuell nicht nur, bis es in Sicherheit ist, sondern auch noch darüber hinaus.

Wir möchten aus gegebenem Anlass noch etwas hinzufügen:

Wir gestalten unseren Blog auch aus der Motivation heraus, Menschen mit unseren Worten zu bewegen, vielleicht irgendwie zu unterstützen. Wir möchten unseren Teil dazu beitragen, das Thema „rituelle/organisierte sexualisierte Gewalt“ und „Traumafolgen/DIS“ mehr in die Öffentlichkeit zu bringen, Diskussionen anzuregen, Hilfsmöglichkeiten zu verbreite(r)n.

Über unsere im Impressum angegebene Emailadresse sind wir ansprechbar, wenn es darum geht, sich miteinander in der Öffentlichkeitsarbeit zu vernetzen, Fragen zu stellen oder ggf. persönlichere Rückmeldungen zu geben, als man sie vielleicht in einem öffentlichen Kommentar formulieren würde.

Was wir aber nicht leisten können und wollen, ist so etwas wie „virtuelle Einzelfallhilfe“. Erst recht bieten wir keine therapeutische Emailberatung an.

Wenn uns jemand anschreibt und uns auffordert, dass wir uns bei ihm/ihr melden und uns kümmern, weil er/sie den Verdacht hat, ein Kind in seiner Umgebung könne akut sexuell und rituell ausgebeutet werden, ist das für uns eine Grenzüberschreitung. Wir können und werden keine „Retter-Position“ einnehmen.

Wir werden auf solche Anliegen nicht tiefgreifender eingehen, außer auf diesen Blogtext und die genannten Unterstützungsmöglichkeiten zu verweisen. Wir werden keine „Fallschilderungen“ lesen und mit niemandem telefonieren. Zum Einen liegt das an unseren persönlichen (Belastungs-)Grenzen und unserer eigenen Betroffenheit, zum Anderen halten wir es für sinnvoller, wenn entsprechende Institutionen vor Ort kontaktiert werden.

Wenn wir nähere Kenntnis über akut gefährdete und misshandelte Minderjährige erlangen, werden wir die Polizei informieren und selbstverständlich auch darlegen, woher wir diese Informationen erhalten haben.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger können wir leisten.

Wahlfamilie und Veränderungsfunke

Wie viele Menschen fragen sich gerade zur Weihnachtszeit wohl, mit wem sie eigentlich wirklich zusammen sein möchten, an den Feiertagen, davor, danach, dazwischen? Wie viele von ihnen entscheiden sich, es anders zu machen als in den vergangenen Jahren, etwas Neues auszuprobieren, andere Wege zu gehen? Alleine oder irgendwo erstmalig zu Besuch, oder auf Reisen ohne festes Ziel? Wie viele beißen die Zähne zusammen, während sie sich dem „wie-immer“ fügen?

Selbstbestimmt entscheiden zu können, wie und mit wem man seine Zeit verbringt, wo und in welcher Form man Freiheit erlebt, das ist nicht für jeden Menschen selbstverständlich. Für manche ist es ein besonderer Luxus, den sie sich hart erarbeiten oder erkämpfen müssen, der fragil ist und eventuell auch lange bleibt.

So viele Menschenkinder erleben destruktive, gewaltvolle Familiensysteme. Und sie kennen den Sumpf, in den man zumindest emotional, oftmals aber auch körperlich immer wieder hineingezogen wird, auch als Erwachsene noch.

Zu wissen, dass man frei entscheiden darf, ist das Eine. Diese Erlaubnis in jedem Winkel des Selbst auch zu fühlen, ist das Andere. Deshalb dauert es manchmal 30, 40, 50 Jahre oder länger, bis es erstmals geschafft werden kann, sicheren Raum und selbstgestaltete Zeit einzufordern und umzusetzen, ohne sich danach selbst zu bestrafen.

Vielleicht muss immer wieder neu abgewogen werden, welcher Preis sich wofür zu zahlen lohnt. Wie weit man sich aus dem Fenster lehnen kann und sollte, und wo der Moment ist, an dem die gesamte Balance gefährdet wird. Vielleicht ist dieser eine kleine Funke Veränderung irgendwo „dazwischen“ zu finden; dort, wo es den kleinsten gemeinsamen Nenner im Innern gibt. Und nicht dort, wo es um das „entweder-oder“ geht.

Auch wenn sich ein Loslösen aus destruktiven familiären Strukturen noch utopisch anfühlt: Daneben kann eine „Wahlfamilie“ entstehen! Eine kleine, gut ausgesuchte Gemeinschaft, die ungemein haltgebend und „positiv irritierend“ ist: Da sind (innen oder/und außen!) Menschen/Lebewesen, mit denen sich „Verbindung“ anders anfühlt als bisher erlebt. Anders leicht oder auch anders schmerzhaft-traurig oder anders beängstigend-ungewohnt. In jedem Fall aber rütteln diese Beziehungen an alten Scheuklappen und Verhärtungen und können Sehnsucht nach „mehr Liebevollem“ wecken.

„Wahlfamilie“ stellt einen (lebens-)wichtigen, wertvollen Gegenpol zur „Genetik des Grauens“ dar und hilft dabei, sich selbst als „be-rechtigt“ und „bindungsfähig“ wahrzunehmen.

Manchmal fühlt es sich vollkommen unmöglich oder hochgradig gefährlich an, die eigenen Bedürfnisse und Wünsche so ernst zu nehmen, dass man konsequent nach ihnen handelt. Vielleicht kann es dann gehen, irgendwo in diesem inneren Konflikt eine (winzig-)kleine Bewegung zuzulassen in Richtung Kompromiss oder Erweiterung. Zum Beispiel, indem man sich nicht dafür beschimpft oder bestraft, dass dies oder jenes (noch) nicht anders gestaltet werden kann, sondern indem man stattdessen für freundliche, selbstwertschätzende Wohlfühlmomente davor, danach, dazwischen sorgt. (Das wäre meiner Meinung nach schon eine ziemlich große zugelassene Bewegung, keine kleine! :-))

Wenn Kontakte zu (biographisch/genetisch verbundenen) Personen zum Beispiel zur Weihnachtszeit „sein müssen“, weil noch kein „Nein“ geht, obwohl sie verletzen und Destruktives aufrechterhalten, dann hat das sicher gute, verstehbare (innere) Gründe. Es macht keinen Sinn, sich zusätzlich zu den äußeren (emotionalen) Schlägen auch noch selbst zu ohrfeigen. Es folgen Stunden und Tage nach solchen Begegnungen und in denen kann versucht werden, so freundlich und liebevoll, versorgend und tröstend wie nur irgendwie möglich mit sich umzugehen.

Die Gewalt im Innern zu beenden, auch wenn Gewalt im Außen (in welcher Form auch immer) noch stattfindet- das ist ein riesiger Meilenstein und ein möglicher „kleinster gemeinsamer Nenner im Innern“ (zwischen Selbstanteilen oder Innenpersonen oder wie auch immer sich der Mensch strukturiert fühlt) zugleich.

Irgendwo ist immer ein Eckchen zu finden, in dem sich ein Veränderungsfunke entzünden lässt.