Begrifflichkeiten

Trauma:

Ein Trauma ist ein als lebensbedrohlich wahrgenommenes Ereignis, das die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten übersteigt und den betroffenen Menschen mit Gefühlen der Hilflosigkeit, intensiver Angst oder Entsetzen überflutet. Wenn weder Kampf noch Flucht möglich ist, also Körper und Seele sich der Situation nicht entziehen können, schaltet der menschliche Organismus auf Überlebensstrategien um. Der Mensch erstarrt (ähnlich dem Totstellreflex bei Tieren) und dissoziiert. (Vielfalt e.V.)

Dissoziation:

Der Begriff „Dissoziation“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Trennung“ oder „Zerfall“. Im Bereich der klinischen Psychologie und Psychiatrie versteht man unter Dissoziation, dass normalerweise zusammengehörige Informationen, Wahrnehmungen, Gedanken etc. nicht miteinander in Verbindung gebracht werden können.

Zwei oder mehr mentale Inhalte oder Prozesse, die normalerweise miteinander in Verbindung stehen (z.B. Bilder eines Erlebnisses, dazugehörige Gefühle und im Gedächtnis gespeicherte Erfahrungen aus früheren Situationen), werden nicht miteinander in Beziehung gesetzt und dadurch nicht in Bewusstsein, Gedächtnis und/oder Selbstbild integriert. Hiervon können unterschiedliche mentale Inhalte wie z.B. Sinneseindrücke, Gedanken, Erinnerungen, Gefühle, Körperempfindungen, Handlungsimpulse oder Bewegungsabläufe betroffen sein. (Infonetz Dissoziation)

Dissoziative Identitätsstörung:

Die „Dissoziative Identitätsstörung“ bzw. „Multiple Persönlichkeitsstörung (MPS)“ wird in den internationalen Diagnosemanualen ICD-10 (F44.81) und DSM-IV unter den Konversionsstörungen bzw. Dissoziativen Störungen aufgeführt. Bei MPS/DIS gibt es mindestens zwei, meistens mehr unterschiedliche Persönlichkeiten innerhalb eines Individuums. Jede Persönlichkeit hat ihr eigenes Gedächtnis und ihre eigenen Eigenschaften und Verhaltensweisen. Verschiedene der Persönlichkeiten übernehmen wiederholt aufgrund innerer oder äußerer Auslösereize die Kontrolle über das Verhalten der Betroffenen. Häufig wissen die Persönlichkeiten nichts voneinander. Subjektiv wird dies erlebt als nicht zu sich gehörendes Verhalten, Stimmen hören, „Zeit verlieren“, Flashbacks, Erstarren u.a. (Vielfalt e.V. )

Innenpersonen/Persönlichkeitsanteile/andere Ich´s/Teilpersönlichkeiten:

Abgespaltene, dissoziierte Anteile einer Persönlichkeit; durch unaushaltbare, überwältigende Gewalterfahrungen entstanden; Frauen, Männer, geschlechtslos- oder neutral, Kinder, Jugendliche, alterslos, verschiedene Stimmen, Handschriften, Wissensstände, Vorlieben, Talente, Fähigkeiten, Abneigungen, Unverträglichkeiten, Krankheiten, Charakterstrukturen; manche wissen voneinander und übereinander, manche nicht; manche kommunizieren miteinander, manche nicht…

Fragment:

ein abgespaltener, eher „eindimensionaler“, flacher Teil einer Innenperson; ein häufig aufgabenfokussierter „Zustand“ (z.B. ein Teil, der von Tätern_innen für einzelne, gezielte Handlungsabläufe/Aufgaben geprägt wurde)

Zeitlücken:

Amnesien über einen gewissen Zeitraum, in dem andere Persönlichkeitsanteile aktiv waren, Alltag gestaltet haben, u.a. Nicht wissen, was in dieser Zeit passiert ist.

(Persönlichkeiten-)System:

Das große Ganze aus allen Persönlichkeitsanteilen; das, was im Innern des Menschen existiert und passiert; die Struktur der dissoziativen Identität.

Täter_innen:

So bezeichnen wir in diesem Blog jene Menschen, die sexualisierte/ organisierte/ rituelle Gewalt anwenden. Innerhalb einer Gruppe der organisierten Kriminalität, eines Kultes, einer Sekte, o.a., oder auch als Misshandler_innen innerhalb einer Familie/ im häuslichen Bereich.

rituelle Gewalt:

Rituelle Gewalt ist die systematische Anwendung schwerer körperlicher, psychischer und sexueller Gewalt in destruktiven Gruppierungen. Häufig dient eine Ideologie (z.B. Satanismus, Faschismus) als Sinngebung und Rechtfertigung der Gewalt und als erlerntes Werte- und Normensystem. Es gibt Verbindungen zur Organisierten Kriminalität (Menschenhandel, Zwangsprostitution, Drogenhandel etc.) und ein Schweigegebot. Ausstiegswillige werden unter Druck gesetzt, erpresst und verfolgt. In manchen Gruppierungen (z.B. satanische Kulte) sind Familien generationenübergreifend eingebunden. Es erfolgt eine frühkindliche Bindung an Täter, Kult und Ideologie. Funktionalität und Gehorsam werden durch lebenslange Konditionierung und Programmierung (Mind Control) erzwungen. Dabei wird in der Regel schon ab Geburt absichtlich eine Dissoziative Identitätsstruktur mit voneinander abgespaltenen Persönlichkeiten erzeugt. Ziel der systematischen Abrichtung ist es, eine innere Parallelwelt zu erschaffen, die durch die Täter jederzeit abrufbar und steuerbar ist und für die das Kind und später der Erwachsene im Alltag keine bewusste Erinnerung hat.(Vielfalt e.V.)

Kinderfolter:

Auch filmisch oder fotografisch festgehaltene (sexualisierte) Gewalt gegen Kinder; organisierte Ausbeutung; auch mit sogenannter „Bewusstseinskontrolle“ (mind control) verbunden

Bewusstseinskontrolle / mind control/ Programmierung, Konditionierung:

Ziel der systematischen Abrichtung ist es, eine intrapsychische Parallelwelt im Kind zu erschaffen, die durch die Täter jederzeit abrufbar und steuerbar ist und für die das Kind im Alltag amnestisch ist (Schramm, 2012).

Täter nutzen die Dissoziationsfähigkeit von Kindern, um unter Folter und Manipulation gezielt Persönlichkeiten abzuspalten bzw. eine Dissoziative Identitätsstruktur (Multiple Persönlichkeit) zu erschaffen. Die Kinder erhalten (meist ab der Geburt) ein regelmäßiges „Training“ (drastische Bestrafungen, Überschreitung aller Ekel- und Schamgrenzen, Ausführen von Gewalt gegen andere, polarisiertes Weltbild erzeugen, komplette Unterwerfung, Schweigegebote). Mit drastischen Methoden wird eine Festlegung und Automatisierung des gewünschten Verhaltens erzwungen (Konditionierung). Darauf aufbauend kommt Programmierung hinzu, d. h. das Erzeugen von Ketten aneinandergesetzter konditionierter Verhaltensweisen, die jeweils an verschiedene innere Persönlichkeiten gebunden sind und von Tätern durch konditionierte Auslöser in Gang gesetzt und gestoppt werden können (Fliß, 2012).

(Vielfalt e.V.)

Flashback:

Plötzlich auftretende Erinnerungen an bedrohliche Situationen oder Teile davon in Form von Bildern, Geräuschen oder Körperempfindungen, aufgrund eines Auslösereizes (Trigger). Der Begriff „Flashback“ wird vor allem dann benutzt, wenn die Erinnerung unwillkürlich auftaucht und/oder wenn sie so stark ist, dass die Person die Erfahrung wieder durchlebt, unfähig, sie völlig als Erinnerung zu erkennen.

Depersonalisation / Derealisation:

Depersonalisation: Entfremdungserleben der eigenen Person gegenüber; der Körper fühlt sich plötzlich sehr groß / klein/ dick/ dünn an; Hören/Sehen/Fühlen verschwimmen, verschleiern, vernebeln; die eigenen Gefühle scheinen fremd, schwebend

Derealisation: Entfremdungsgefühle gegenüber der Umwelt; Umgebung scheint unvertraut, seltsam, unwirklich, verlangsamt, beschleunigt, etc.

Hyperarousel:

Symptome der Übererregung: z.B. Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, erhöhte Reizbarkeit, mangelnde Affekttoleranz

Intrusionen:

sich aufdrängende, belastende Traumaerinnerungen in Form von Bildern, Empfindungen, Flashbacks und Alpträumen: plötzliche und „lebendige“ Erinnerungen, die „mich überwältigen“.

innen und außen / das Innen und das Außen:

Unterscheidung zwischen dem, was im Innern des Menschen passiert und dem, was außerhalb von ihm passiert; Innenleben und Außenleben; Innere Kommunikation zwischen Persönlichkeitsanteilen und äußere Kommunikation mit anderen Menschen; „im Innen sein“ und „nach außen/ draußen kommen“ (switchen, d.h. ein Wechsel von einem Persönlichkeitsanteil zum anderen)

Täterintrojekt:

Gedanken, Gefühle und Handlungen eines Innenanteils einer traumatisierten Person, welche dem Handeln, Fühlen und Denken des Täters/ der Täter_innen im Außen ähneln; täterimitierender oder täterloyaler Anteil

Integration / Fusion:

Integration meint hier das „Zusammenwachsen“ aller Persönlichkeitsanteile zu einer einzigen (ursprünglichen?) Person im Sinne eines Prozesses oder eines erreichten Zustandes.

Fusion meint hier das „Zusammenwachsen“ oder Verbinden einzelner Persönlichkeitsanteile oder -gruppen, keine vollständige Integration aller Teile.