Warum wir nicht mehr mit jedem diskutieren

Die Existenz ritueller/ritualisierter, organisierter Gewalt anzuerkennen hat nichts mit glauben zu tun, sondern mit wissen und mit Haltung.

Menschen, die diesbezüglich Zweifel säen und verbreiten, die Gewaltopfer verhöhnen oder verleugnen, haben keine Bereitschaft, wirklich offen zuzuhören und den eigenen Horizont zu erweitern. Aus verschiedensten Gründen.

Vor ein, zwei Jahren noch vertraten wir die Meinung, es sei nötig und sinnvoll, trotz allem mit solchen Zweifler*innen ins Gespräch zu kommen, auch öffentlich. Es wäre kontraproduktiv, sie zu ignorieren oder zum Feind zu erklären – dies würde der Sache an sich und auch der “Glaubhaftigkeit“ der Betroffenen schaden.

Heute sehen wir das anders: Wir diskutieren nicht mehr über die Tatsache der rituellen/ritualisierten, organisierten Gewalt – schon mal gar nicht mit False Memory-Anhänger*innen, Satanic Panic- Vertreter*innen und Co.

Warum? Weil es eine sich totlaufende Endlosgeschichte ist, die einfach nur Energie und Lebenszeit frisst und von Anfang an keine offene Einstellung mitbringt.

Sich abzuarbeiten an Gegenübern, die sich einen Spaß daraus machen, zu jeder Äußerung “Aber’s“ zu erfinden, ist erniedrigend.

Sich einzulassen auf die Denk- und Argumentationsweise von jemandem, der einfach nur an seinem “Nein!“ festhalten will, ist vergeb’ne Liebesmüh‘.

Sich zu öffnen mit eigenen Erfahrungen, Verletzungen und Erkenntnissen, in der Hoffnung, den/die andere*n so zu erreichen, dass ein Mitfühlen entstehen kann, ist bei “aggressiven Zweifler*innen“ nicht nur naiv, sondern auch gefährlich.

Unter anderem deshalb haben wir unsere Einstellung inzwischen verändert und uns von der Idee des “runden Tisches für alle“ verabschiedet.

Traurig, ja. Ärgerlich und frustrierend. Aber vor allem erleichternd.

Unser Fokus liegt nun auf der Stärkung und der Vernetzung von Betroffenen und Unterstützer*innen – denn:

“Was wäre, wenn… ?!!!“

24 Kommentare zu „Warum wir nicht mehr mit jedem diskutieren

  1. Ich äußere mich in den nächsten Tagen ausführlicher, möchte aber schon einmal meine Anerkennung für eine „klare Linie“ ausdrücken und dafür danken.

  2. Ja, das ist so und das ist so gut, von dir zu lesen.
    Wir haben das anders gelernt; wir haben gelernt, wie wichtig und wertvoll das Miteinanderreden ist, aber es ist so wichtig und völlig okay, anzuerkennen, dass das mit manchen Menschen einfach nicht geht, bzw. so unendlich viel Kraft von uns selbst abzieht und schlimmstenfalls in Kooperation mit welchen von uns endet, die uns eh schon in das Weiterkommen reingrätschen und nur auf neues „Futter“ warten. Wir haben jedes Recht, dazu NEIN zu sagen.

  3. Uns geht es ebenfalls so. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie sehr ich unter Gespräche mit Leugner*innen gelitten habe, irgendwann vielleicht sogar getriggert war und selbst infrage gestellt habe, ob ich mir das nicht ausgedacht hab. All das nur, um Menschen, die nicht lernen /wollen/, versuchen etwas beizubringen. Es ist reine Sisyphus-Arbeit.

  4. Das raubt einem die letzte Energie – und wozu?
    Einfach belächeln und weitermachen ist die klügere Methode.

  5. Hallo,
    wir sind da gerade in der Situation, dass unsere alte Therapeutin, die weiß, dass wir rituellen Missbrauch etc. erlebt haben, aufgehört hat. Nun sind wir nächste Woche bei der Traumaambulanz hier und wissen gar nicht, ob wir uns trauen, da von RM/MC im organisierten Kontext zu erzählen, weil wir Angst haben, dass das da nicht anerkannt wird. Wissen ehrlich gesagt, gar nicht, wie wir da vorgehen sollen.
    Liebe Grüße
    Die Bienen

    1. Das kann ich auch sehr gut nachfühlen und es tut mir einfach von Herzen leid, dass es so ist wie es ist…dass überhaupt Verunsicherung da sein muss/ist durch das alles was da geschieht. Ich habe gerade überlegt, wie ich da vorgehen würde. Ich dachte gerade wir würden vielleicht genau mit dem Satz anfangen, die Verunsicherung ausdrucken wie z.B. „Das alles was da gerade geschieht macht sehr viel mit mir und belastet mich sehr, ich merke, dass ich verunsichert bin, jetzt überhaupt etwas zu erzählen/sagen, aus Angst, dass mir nicht geglaubt wird.“ Ich weiß nicht, ob das stimmig für euch wäre und ich merke gerade beim Schreiben, dass uns auch dieser Satz viel Mut kosten würde. Aber vllt könntet ihr dann die Reaktion sehen und dann weiter entscheiden. Ich denke, wenn die „contra“ eingestellt sind, würde es euch ja auch im weiteren Verlauf nicht helfen sondern vllt mehr Schaden dort hinzugehen. Dann hättet ihr es gleich von Vornherein klar. Ich weiß nicht….war gerade einfach ein spontaner Gedanke, den ich mal da lasse. Vielleicht nützt er was, vielleicht auch nicht. Wir schicken dir viel Mitgefühl und wünschen euch, dass ihr einen guten Weg darin für euch findet.

  6. (Vorwarnung: einmal „wall of text“ zum Thema Diskussionen… tschuldigung.)
    Wir haben bisher mit exakt einer Person darüber diskutiert (und diskutieren teilweise immer noch über ein paar Feinheiten oder „warum machen Täterkreise XY?“). So komisch das vielleicht klingt… sie ist für uns ein ganz gutes Beispiel, wann solche Diskussionen funktionieren können. Aber auch, warum sie die einzige „Skeptikerin“ ist, mit der wir uns darauf eingelassen haben.
    Eigentlich haben wir nur damit angefangen, weil sie bei einem politischen Treffen auf Verschwörungstheorien Bezug nahm, und wir einen Satz nicht so stehen lassen konnten. Also haben wir später „geoutet“, das Ganze mit ihr ausdiskutiert, und unsere Sichtweise erklärt.
    Aber: das hat auch NUR funktioniert, weil wir sie abgesehen davon sehr sympathisch finden, wir bei vielen „basics“ einen gemeinsamen Konsens haben, und wir beide bewusst (!) versucht haben, aufeinander zu zu gehen. Und, weil sie uns nicht von vorneherein unsere Erfahrungen/Erinnerungen abgesprochen hat, nachdem wir erklärten, wie wir (bei uns persönlich!!) zumindest am Anfang neu auftauchende Erinnerungen als „ok, das war höchstwahrscheinlich so, das passt“ oder „hm, lassen wir erstmal so stehen“ einstufen.
    Auf einer sehr rationalen Ebene sind die Gespräche mit ihr wahnsinnig interessant, weil sie Teile der „satanic panic“ während der 70er/80er in den USA in den Kontext setzen kann, wie zu dem Zeitpunkt das „politische Klima“ da war. (Viel christlicher Fundamentalismus, viel „da ist Werteverfall“ usw., und natürlich führt „satanistische“ ritualisierte Gewalt „Aufsehen“ als andere Ideologien das tun würden. Und wenn dann beispielsweise (rechts)Konservative mit dieser Begründung gegen Goths hetzen, stehen die Betroffenen von ritualisierter Gewalt so richtig schön unglaubwürdig da. Super… Und genau das, was Täter:innen wollen.)
    Der ganze Diskurs funktioniert aber wie gesagt nur, weil sie unsere „Existenz“ und unsere Erfahrungen nicht von vorneherein anzweifelt, und weil wir vieles mit „ja, aber Täter:innen wollen ja, dass Betroffene unglaubwürdig rüber kommen, die passen sich ja auch an, nä?“ argumentieren können. Und „trotzdem“, selbst mit gegenseitigem Respekt und gemeinsamem Konsens (!) waren viele dieser Gespräche wahnsinnig anstrengend, und es mussten immer wieder Pausen eingelegt werden. So nach dem Motto: „da haste schon wen, der echt vernünftig ist und mit sich reden lässt, und es ist trotzdem heftig“.
    Wir sind froh, dass wir ihr das ein oder andere erklären oder vermitteln können, wirklich. Aber das Ganze zeigt leider auch, was alles nötig ist, um als Betroffene:r eine einzelne Person zu „überzeugen“. Sie ist da sozusagen ne (positive!) Ausnahme (und mittlerweile eine enge Freundin, sehr ironisch :D), aber für uns eben auch Bestätigung, warum wir uns auf solche Diskussionen nicht (mehr) einlassen. Da ist die Hürde bzw. die Menge benötigter Ressourcen einfach zu krass.

    1. argh. mehrere Grammatik/Tippfehler: „wir haben -uns- „geoutet““, und „natürlich führt ‚satanistische‘ ritualisierte Gewalt -zu mehr- ‚Aufsehen‘“, sorry! Zu warrrrrm

  7. Es ist auch euer gute Recht nicht mit jeden zu diskutieren ihr könnt stolz sein das ihr so gut eure Grenzen ziehen könnt..Wir sind zwar auch in gewisser Weise euer Meinung finden es aber auch wichtig trotzdem mit den Menschenrechten zu diskutieren um ihnen aufzuzeigen das sie falsch sind sie aufzuklären und so einen Denkanstoß geben zu können den wir finden nichts tun schadet mehr als mit den Menschen diskutieren die anderer Meinung als man selbst ist Um das aber tun zu können muss man sich gut distanzieren können, sehr gefestigt und resilient sein. Das kann nicht jeder und nicht jeder hat überhaupt die Möglichkeit dazu und deshalb verstehen wir es auch wieso ihr nicht mehr mut Menschen die gewisse Ansichten udn Einstellungen haben diskutiert. Man muss eben auch auf sich schauen wenn das nicht wirklich möglich ist lässt man solche Diskussionen ganz bleiben waa auch voll ok ist. Wir würden ea nicht so machen aber müssen wir auch nicht jeder Betroffene ist da anders und das ist auch gut so.

  8. „Mit dummen Menschen zu streiten, ist wie mit einer Taube Schach zu spielen. Egal, wie gut du Schach spielst, die Taube wird alle Figuren umwerfen, auf das Brett kacken und herumstolzieren, als hätte sie gewonnen.“ Dieses Zitat ist sicherlich vielen von Euch bekannt. In manchen Fällen ist das so.

    Lehnt man aber generell jedwede Diskussion ab, kann es aber auch sein, das man die Menschen übersieht, mit denen man diskutieren kann und die ggf. in der Lage sind ihre eigene Meinung zu hinterfragen und wenn es gut läuft auch zu verändern. Da sie die Möglichkeit bekommen haben außerhalb ihrer eigenen Blase mal durch die Blase zu schauen. Pauschal sagen das man jedwede Diskussion aus dem Weg geht, finde ich schwierig. Wobei man in einer Diskussion ja relativ schnell merkt könnte was bringen oder man kann sich die Mühe sparen. Aber so hat jeder und jede seine eigene Einstellung. Es wäre ja echt langweilig wenn alle sich immer zu 100 Prozent einig wären. Worüber sollte man denn dann auch noch diskutiieren oder sprechen außer sich gegenseitig immer den Bauch zu pinseln und alles abzunicken. 😘

      1. Hab ich geschrieben das Du das geschrieben hast? Ich habe meine Einstellung und Meinung die nur meine ist hier niedergeschrieben. Nicht mehr und nicht weniger, ebenso

      2. Alles gut, es muss noch daran gearbeitet werden beim Kommentieren die Gedankenstränge die entstehen zu sortieren das es nicht missverständlich rüberkommt! War keine Absicht ✨

      3. Nachtrag, in dem Moment wo man ja mit jemanden spricht darüber und das beendet hat man ja schon mit demjenigen gesprochen, festgestellt bringt nichts und dann lässt man es doch, so habe ich das verstanden!
        Weitere Überlegungen dazu war, wenn man es aber jetzt lassen würde das überhaupt zu versuchen dann würde man jedweder Diskussion aus dem Weg gehen. Also meine Gedankengänge, laufen da gleich weiter. Da hab ich keinen Angriff gesehen als meine Gedankengänge weitergelaufen sind.

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