Kontaktangst

Hartfestes Panzerglas in deinem Kopf. Unsprengbar. Gut verschlossen alle Kostbarkeiten.

Potential, das irgendwann zum Einsatz kommen könnte.

Und bis dahin

unter allen Umständen

unkaputtbar sein wird.

Hochsicherheitstrakt mit Vorratshaltung.

Denkst du.

 

Kugelsichere Weste um deinen Kern. Unzerstörbar. Bestens gewappnet gegen Angriffe auf deinen

Seelenfrieden.

Umstellte Schatztruhe. Nichts kann sie öffnen.

Alles bleibt wie es ist,

wenn es bloß nicht angerührt wird.

Meinst du.

 

Viele unsichtbare Schichten taubgedröhnten Menscheninhaltes

lassen dich mehr watscheln, als gehen.

Schwer und stumpf, völlig überladen,

auf zwei wackeligen Beinen.

Zu schwer

für dich selbst.

 

Mehrfach versiegelt. Weltenentfernt. Sicherheitsabstand von allem, was

kommen könnte,

kommen würde,

kommen müsste,

kommen wird.

Was ist, wenn der gefürchtete Feind gar nicht

von außen zu erwarten ist?

 

Hast du vergessen, einen Fluchtweg frei zu lassen,

wenn dir dein Inneres einmal

um die Ohren fliegen sollte?

Erstickt dein Potential

im unsprengbaren Panzerglas?

Vertrocknet dein Herz

in der überhitzten Seelenweste?

Siehst du

unerreichbar weit weg von dir

schemenhafte Rettungsinseln?

 

Schließ dich nicht ab.

Schließ dich nicht weg.

Schließ dich nicht aus.

Mach auf

und lass dich

rein!

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Nach der Gewalt. #4

Zum Thema „mind control“ / Bewusstseinskontrolle im Rahmen organisierter Tätergruppierungen:

„Täter nutzen die Dissoziationsfähigkeit von Kindern, um unter Folter und Manipulation gezielt Persönlichkeiten abzuspalten bzw. eine Dissoziative Identitätsstruktur (Multiple Persönlichkeit) zu erschaffen. Die Kinder erhalten (meist ab der Geburt) ein regelmäßiges „Training“ (drastische Bestrafungen, Überschreitung aller Ekel- und Schamgrenzen, Ausführen von Gewalt gegen andere, polarisiertes Weltbild erzeugen, komplette Unterwerfung, Schweigegebote). Mit drastischen Methoden wird eine Festlegung und Automatisierung des gewünschten Verhaltens erzwungen (Konditionierung). Darauf aufbauend kommt Programmierung hinzu, d. h. das Erzeugen von Ketten aneinandergesetzter konditionierter Verhaltensweisen, die jeweils an verschiedene innere Persönlichkeiten gebunden sind und von Tätern durch konditionierte Auslöser in Gang gesetzt und gestoppt werden können.“ (Fliß, 2012)

„Ziel der systematischen Abrichtung ist es, eine intrapsychische Parallelwelt im Kind zu erschaffen, die durch die Täter jederzeit abrufbar und steuerbar ist und für die das Kind im Alltag amnestisch ist.“ (Schramm, 2012)

Wir sind überzeugt davon, dass alles Wissen, das für die Heilung der Folgen von Bewusstseinskontrolle nötig ist, in den Überlebenden vorhanden und nutzbar ist. Es ist verteilt in verschiedenen inneren Ecken, zersplittert in Fragmente, versteckt, vertuscht, verschüttet, verschlüsselt und/oder vorübergehend vergessen. Aber es ist da! Ein Zugriff darauf erfordert unter anderem eine klare Entscheidung FÜR die Zurückeroberung des eigenen Innenlebens und GEGEN die suggerierte Ausweglosigkeit. Die Angst, die darauf folgen kann, die riesengroße Angst vor einer überdimensionalen Strafe, vor dem Tod und gleichzeitig vor dem Leben, die auch selbst-inszenierten „Beweise“ für die „Richtigkeit des Tätergedankentums“, all die „Störungen“ auf dem Weg zur persönlichen Freiheit sind vorübergehend! All das wird aufhören, wenn man durchhält und am Leben bleibt, ohne Täterkontakt, ohne Selbstzerstörung und mit der Bereitschaft zur Ehrlichkeit mit sich selbst.

„Wenn mir eine Patientin erzählt, sie sei zu dumm oder zu hilflos, sich selbst zu deprogrammieren, analysiere ich den entscheidenden gedanklichen Irrtum hinter dieser Überzeugung. Ich hebe hervor, dass niemals irgendetwas durch den Schädel des Opfers eingeführt wurde. Die ‚Programme’ wurden innerhalb des Schädels durch das eigene Gehirn geschaffen, als Antwort auf die Worte und Taten des Programmierers. Die Programmierung kann nicht klüger sein als die Patientin, denn sie ist die Programmierung, und das Bewusstsein kann nichts schaffen, was intelligenter ist als es selbst. Ich argumentiere darüber hinaus, dass die Patientin nicht programmierbar gewesen wäre bei einem IQ von dreißig.“ (Dr.Colin Ross)

Zwei, drei Minuten

Zur Weihnachtszeit fällt mir stets ein:

Die Küche ist für uns zu klein!

Die Waschmaschine dröhnt und brummt,

der Heizungskasten surrt und summt,

es ist kein Platz für Topf und Teller,

mein Nervenkostüm schwindet schneller.

Kekse backen und verzieren,

sinnlos aus dem Fenster stieren,

Rezeptbuch wälzen und vergessen-

zuletzt hab ich am Herd gesessen?

Ich weiß nicht mehr -was wollt´ich tun?

Soll der Teig noch länger ruh´n?

Muss ich rühren oder nicht?

Gibt´s hier eigentlich kein Licht?

Ein Blick nach unten hilft mir weiter:

Im Ofen strahlt es wirklich heiter:

So um die Hundert kleine Sterne,

die machte Oma immer gerne!

Noch zwei, drei Minuten brauchen sie-

ich füttere schnell das Katzenvieh.

Verzierung wollte man ja auch-

„Sterne mit Schoko“, der alte Brauch.

Die Kuvertüre find´ ich schnell:

„Schoko in dunkel“ und „Schoko in hell“.

Beides in Töpfen auf dem Herd,

ständiges Rühren ist sehr viel wert!

Und während alles wärmer wird,

etwas mich heftig irritiert:

Die Katze hustet, röchelt, schnieft,

weil´s aus dem Ofen schrecklich mieft.

Das Fenster ganz schnell aufgerissen,

ich hätt´s doch besser wissen müssen!

Zwei, drei Minuten sind schnell vorbei,

im Ofen stinkt die Schweinerei.

Aus diesen kleinen Sternenhorden

ist leider Kohle jetzt geworden.

Über´m Herd qualmt dichter Rauch,

die Kuvertüre kokelt auch.

Ein Fluch kommt über meine Lippen:

„Den Rotz kannste in die Tonne kippen!“

So landen die Kekse schließlich im Müll

und in der Küche wird es still.

Mein Kopf sinkt müde auf den Tresen-

ist backen immer schon so „krass“ gewesen?

Ich hör´ein Stimmchen, froh und beschwingt,

das wie frisch ausgeschlafen klingt:

„Oh, ist etwa alles schon vorbei?

So eine kurze Weihnachtsbäckerei!

Ich mach´ was Neues- vielleicht übermorgen?!

Ich guck´ auf die Uhr- bloß keine Sorgen!!“

 

 

 

Nach der Gewalt. #3

Die Gewalt hört nicht auf. Zwar enden im guten Fall die körperlichen Übergriffe irgendwann und Verletzungen können anfangen zu heilen. Aber gerade Überlebende von sogenannten „kinderpornographischen“ Aufnahmen (Kinderfolterdokumentation) sind damit konfrontiert, dass etwas „für immer bleibt“.

Egal, ob die Gewalt in Jahren oder Jahrzehnten „vor dem Internet“ stattfand oder im „digitalen Zeitalter“: Die Betroffenen müssen davon ausgehen, dass die Fotos und Filme, auf denen ihre Qual festgehalten wurde, nicht löschbar sind und sein werden. Und dass weiterhin Menschen zum Einen viel Geld damit verdienen und zum Anderen Lust (wie auch immer geartet) damit befriedigt wird.

Die gefolterten Kinder auf den (bewegten) Bildern werden irgendwann erwachsen. Es ist für den „Heilungsweg“ so wichtig zu verinnerlichen, dass im Hier und Jetzt die Misshandlungen vorbei sind. Dass es so etwas wie Sicherheit geben kann. Dass Körper und Seele Ruhe erleben dürfen und können. Die erwachsenen Überlebenden gehen weiter- die gequälten Kindheits-Ich´s auf den Fotos und Videos bleiben zurück. Und werden fortwährend verkauft, begafft, bespuckt.

Es kommen jedoch auch immer neue Kinder hinzu. Neue Opfer. Es wird weiter produziert und vermehrt. Wenn man will und es finanziert, kann man sich zuschütten lassen. „Kinderpornographie“ ist keine Seltenheit und keine Ausnahme.

Darf es erwachsene Überlebende beruhigen, wenn sie sich vor Augen führen, welches Ausmaß dieser Gewaltmarkt hat? Weil deutlich wird, wie leicht die Aufnahmen von sich selbst in diesem Sumpf verschluckt werden? Gerade jene, die in den achtziger, siebziger, sechziger Jahren so gefoltert wurden, können auf die Schnelllebigkeit setzen. Es klingt absurd, schrecklich, zynisch, ich weiß. Ich denke an mein „Kindheits-Ich“, dessen Schreie möglicherweise heutzutage aus einem Computerlautsprecher schallen, während jemand beim Anschauen und Zuhören einen Orgasmus erlebt- und dann denke ich: „Gleich ist es vorbei, Mädchen. Gleich wird auf Stopp geklickt und der nächste Film, das nächste Kind konsumiert. Niemand wird sich dein Gesicht merken. Gleich hörst du auf zu brüllen, ganz sicher!“

Es ist grauenhaft, sich bewusst zu machen, wie viele Kinder immer noch und weiterhin zu Opfern dieser Industrie werden. Ich wünschte, ich könnte ein für alle Mal auf einen universellen Stopp-Knopf drücken. Red button, nur anders.

Gleichzeitig ist meine einzige Chance, weiterzugehen und nicht im Horror des Kindheits-Ich´s stecken zu bleiben, die, mir bewusst zu machen, dass die Gewalt eben nicht aufhört.

Paradox?

 

 

 

Yoga und Traumaheilung

Wir haben eine ganze Zeit lang in einer Frauengruppe Yoga gemacht und nutzen einzelne Übungen heute immer noch für uns alleine, z.B. um Schmerzzustände oder Symptome von Körpererinnerungen besser bewältigen zu können, Verkrampfungen zu lösen, oder unseren Atemrhythmus zu regulieren/beruhigen.

Hier möchten wir unsere Yoga-Erfahrungen besonders im Zusammenhang mit Traumaheilung näher schildern.

Aufmerksamkeit/Bewusstheit:

Yoga bedeutet für uns vor allem ständige Bewusstheit und eine notwendige Fokussierung auf das Hier und Jetzt. Alle Übungen, jede Bewegung, jeden Moment versuchen wir, aufmerksam wahrzunehmen- was für uns schon eine schwierige Aufgabe sein kann. Deshalb beschäftigen wir uns eben nur so lange mit Yogaübungen, wie unsere Aufmerksamkeit es zulässt. Wenn wir merken, dass es uns nicht mehr gelingt, uns auf das, was wir tun, zu fokussieren, hören wir kurz damit auf, machen etwas ganz anderes (z.B. das Fenster öffnen, eine Runde durch den Raum gehen, Socken an- oder ausziehen, Augen öffnen oder schließen, hüpfen, mit den Armen schlenkern, usw.). Dann kehren wir zurück zum ursprünglichen Tun, probieren es noch mal neu- und beenden die Yoga-Einheit im Zweifelsfall ganz, bzw. verschieben sie auf einen späteren Zeitpunkt.

Jede körperorientierte „Heilungsarbeit“ kann belastende Gefühle auslösen, Dissoziationen hervorrufen und uns in Anspannung bringen- wenn wir das wahrnehmen, versuchen wir, uns dafür nicht zu verurteilen, sondern die Situation einfach zu realisieren und dann zu schauen, was uns helfen kann, eine positive Veränderung herbeizuführen.

Mit klarem Bewusstsein und geöffneten Wahrnehmungskanälen zu „sein“, ist für uns eine wichtige, aber auch anstrengende Lernerfahrung. Im Alltag blenden wir viele Innen-und Außenreize zwangsläufig aus, weil unsere Aufnahme- und Verarbeitungskapazität sehr begrenzt ist. Befassen wir uns mit Yogaübungen, nehmen wir uns also eine gewisse Zeit, um völlig bei uns zu sein- verbunden mit anspannenden und entspannenden Körperhaltungen/Bewegungsabläufen.  Wir spüren dabei körperlich mehr und intensiver, als sonst: Wärme und Kälte, Müdigkeit und Wachheit, Verspannung und Verdrehungen, eine schiefe Körperhaltung, Druck, Entlastung, usw. Zudem können auch innere Stimmungen, Strömungen und Verstrickungen deutlicher werden, innere Kommunikation und Bilder können angeregt werden, u.a.

Yoga ist für uns also auch eine Möglichkeit, immer wieder so vorsichtig und sicher wie möglich Lebendigkeit zu fühlen und (Re)Orientierungsarbeit für Körper und Seele zu leisten.

Wichtig ist für uns, wertungsfrei zu bleiben, mit uns selbst und dem, was wir wahrnehmen. Es ist okay, zu spüren, was jetzt ist, in unserem Persönlichkeitssystem, in und mit unserem Körper- und gleichzeitig ist es auch okay, die Aufmerksamkeit in eine schützende, dissoziative Watte zu hüllen, wenn es zu viel wird. Die Entscheidung diesbezüglich liegt bei uns! Wir können und dürfen heute selbst bestimmen, wohin unsere Bewusstheit geht- sowohl eine gewissermaßen „kollektive, systemische Wahrnehmung“, als auch die Wahrnehmung jeder einzelnen Innenperson.

Atmung:

Der natürliche Atemrhythmus spielt eine große Rolle bei sämtlichen Yoga-Übungen. Vor allem geht es für uns darum, wahrzunehmen, dass der Körper diesen Vorgang von selbst regelt, jenseits unseres Einflusses und jenseits aller Kontrolle. Wir können bestimmen, wie tief wir ein- und ausatmen, wir können die Luft eine Zeit lang anhalten, geräuschvoll ausatmen oder leise, können den Sauerstoff gedanklich an eine bestimmte Körperstelle schicken- also das „Wie“ des Atmens bestimmen.

Aber dass wir atmen, das entscheidet der Körper in seiner individuellen Funktionsweise. Wenn wir ihn lassen, hat er seinen eigenen Rhythmus. Bewusst zu spüren, wann der Einatmen-Reflex einsetzt, kann von uns sowohl kraftvoll und beruhigend empfunden werden, als auch mit ängstlichen Gefühlen verbunden sein. Wir sind früher häufig von Täterseite unseres eigenen, natürlichen Atemrhythmus beraubt worden, indem man uns würgte, unter Wasser drückte, strangulierte, in luftknappen „Räumen“ einsperrte, u.a.

Wir kennen also das Erleben eines „Beinahe-Erstickens“ gut- insofern können Atemübungen heutzutage (Körper)Erinnerungen an diese Erfahrungen auslösen. Für uns geht es dann darum, wieder Vertrauen in unsere eigenen Körperfunktionen (z.B. Atemreflex) und in unsere ureigene Körperweisheit (Rhythmus, Fluss, Tempo, u.a.) aufzubauen. Dabei sind kleine Schritte hilfreich, kurze Übungszeiten und der (reorientierende) Wechsel zwischen Spannung und Entspannung. Nützlich ist für uns auch hin und wieder der Einsatz von Aromaölen, z.B. scharfe, minzige Düfte, z.B. in Form von „Tigerbalsam“, den wir uns vor der Yoga-Sequenz unter (nicht in!) die Nase tupfen. Zudem achten wir darauf, dass die Raumluft frisch ist und bleibt und üben bei geöffnetem Fenster.

Atmen darf heute sein, es gibt genügend Luft für uns, wir dürfen uns für das Atmen entscheiden, unser Körper weiß, was er tun muss, um am Leben zu bleiben. Wir haben Atemspielraum, können beeinflussen, wohin der Atem innerlich gehen soll. Wir können uns die Luft in Farben vorstellen, schimmernd, glatt, weich, kühl, warm, duftend, schmeckend. Wir sind frei in unserem natürlichen Atemrhythmus.

Körperhaltung und Muskelaktivität:

Innerhalb unserer Yogagruppe haben wir diverse Körperhaltungen (Asanas) und Bewegungsabläufe kennengelernt, von denen sich Einzelne als besonders hilfreich, anregend, beruhigend oder einfach angenehm für uns herausgestellt haben. Wir werden im Folgenden auf einige Übungen genauer eingehen. Vorab möchten wir darauf hinweisen, dass für uns bei allem Tun das Wohlbefinden an oberster Stelle steht. Yoga ist Sport- aber wir haben keine Höchstleistungen zu vollbringen! Wir achten so gut wie möglich darauf, Schmerzempfinden zu vermeiden, bzw. nicht über eine subjektive Schmerzgrenze hinauszugehen. Das kann sich auch kompliziert gestalten, denn nicht jede Person unseres inneren Systems hat die gleiche Wahrnehmung. Praktizieren mehrere Innenpersonen gemeinsam eine Yogaübung, kann dies die Schmerz- und Belastungsgrenze des Körpers unserer Erfahrung nach deutlich verschleiern und verfälschen. Sollte während des Übens Schwindel oder Übelkeit auftreten, könnten dies Warnhinweise sein, dass Grenzen touchiert oder bereits überschritten wurden. Auch hier geht es wieder darum, sensibel wahrzunehmen, auf Dissoziations-(Depersonalisations-, Derealisations-)vorgänge zu achten und gegebenenfalls kurz zu pausieren (vielleicht etwas Wasser trinken!) und noch mal neu zu beginnen.

Alle Innenpersonen, die während einer Yoga-Sequenz anwesend sind, mitfühlen, mitmachen, oder zuschauen, sollten sich sicher fühlen. Wir haben festgestellt, dass körperliches Wohlbefinden, (leichter) Muskelschmerz durch Anstrengung, bewusstes Einnehmen verschiedener Körperhaltungen, Anforderungen an das Gleichgewichtssystem und Erleben von Muskeldehnung potentiell triggernd wirken können. Heute zu erleben, dass wir keiner Gewalt mehr ausgesetzt sind, die früher eine „falsche Bewegung“, einen „zu lauten Atemzug“, die „Auflösung“ einer einschränkenden, blockierenden oder schmerzhaften Körperhaltung u.a. sanktionierte, ist für viele Innenpersonen eine intensive, teilweise auch überflutenden Erfahrung. Insofern ist es für uns wichtig, im Inneren Schutzinstanzen zu haben, die darauf aufpassen, dass für das gesamte System zu jedem Zeitpunkt die Yoga-Einheit sicher und mindestens „aushaltbar“ bleibt.

Hier folgen nun einzelne, beispielhafte Yogaübungen und unser Erleben dazu. Über eine Google-Suche sind bildliche Darstellungen dieser Übungen leicht zu finden.

Der Baum:

Diese Haltung zentriert uns ganz wunderbar. Wir können uns nicht im „Baum“ halten, wenn wir innerlich „frei flottieren“, zerfasern, „wild durcheinander purzeln“ oder den Körper weg-dissoziieren. Für diese Übung brauchen wir guten Körperkontakt, eine ruhige Atmung, sichere Erdung und Fokussierung auf einen bestimmten (äußeren) Blick-Punkt. All dies können wir erreichen, während wir versuchen, in den „Baum“ zu gehen, bzw. uns so zu halten. Wenn wir bemerken, dass unsere innere Zentrierung für diese Gleichgewichtsübung nicht ausreicht, probieren wir die Alternative des „Bergs“ aus. Dafür brauchen wir weniger Fokussierung im Vorfeld und erleben, dass sie sich während der Übung aufbaut, so dass sich eventuell dann doch noch der „Baum“ anschließen kann.

Wir erfahren: Wir haben einen stabilen Standpunkt, sind verlässlich geerdet und uns wirft nicht so leicht etwas um. Wir sind hier und jetzt voll da, haben Ziele und Pläne und sind sicher in unserem Körper.

Das Krokodil:

Die Krokodilsübungen helfen uns sehr bei Verspannungen im unteren Kreuz-/Rückenbereich und bei Menstruationsschmerzen.  Wir stärken dabei unsere „Mitte“, sowohl körperlich betrachtet, als auch psychisch. Nicht nur aufgrund unserer rheumatischen Erkrankung haben wir häufig Schmerzen und Blockierungen im/am Iliosakralgelenk, fühlen uns „schief zusammengesetzt“, „in der Mitte verschoben oder zerbrochen“, oder auch „ohne Mittelpunkt“. Der untere Bauch- und Rückenbereich wird von vielen von uns immer wieder dissoziativ ausgeblendet und ruft sich dann schmerzhaft wieder in Erinnerung. Stabilität, Kräftigung und „dehnende Ausweitung“ mit Hilfe der Krokodilsübungen sind für uns erfahrungsgemäß weniger triggernd, wenn wir nebenbei Musik hören, oder uns ruhig mit einer vertrauten Außenperson unterhalten, ohne dabei den Kontakt zu unserem Körper zu verlieren. Durch die verdrehende Bewegung des Unterkörpers, mal in die eine, dann in die andere Richtung, verstärken wir einerseits das, was bereits da ist (das Gefühl des Schief-Seins, des Falsch-Zusammengesetzt-Seins)- und geben so die „Erlaubnis“, so fühlen zu dürfen und sich so zu halten. Andererseits ermöglichen wir aber durch die sanfte Bewegung in die gegengesetzte Richtung auch eine neue Wahrnehmung und Alternative.

Wir erfahren so: Unser Körper ist in jedem Fall in Ordnung. Wir müssen uns nicht auf eine bestimmte Weise „halten“, sondern wir können „so, oder so“.

Die krampfhafte Verdrehung und das Verharren in einem (gefühlten) „Schiefstand“ dürfen sich wieder lösen, wenn wir das möchten- und wir dürfen Erleichterung, Bewegungsfähigkeit und Schmerzreduktion dabei erleben.

Der Drehsitz:

Der „Drehsitz“ ist für uns eine der kritischsten Yoga-Übungen, die hochgradig panikauslösend, aber auch besonders heilsam wirken kann. Wir haben sowohl Flashbacks während oder nach dieser Übung erlebt, als auch erleichternde und tief ins Persönlichkeitssystem fließende Neuorientierung im Jetzt. Beim „Drehsitz“ wird so wie beim „Krokodil“ eine (ver)drehende Haltung eingenommen, hier nun aber im Sitzen und für uns deutlich spürbarer auf den Oberkörper bezogen, als auf den Unterkörper. Es wird unserem Erleben nach besonders der Brustbereich gedehnt und geöffnet, eine seitliche Bewegung hervorgerufen und eine Blickrichtung ermöglicht, die bei uns Gleichgewichtsstörungen auslösen kann. Desweiteren haben wir schon häufig bei dieser Übung unter Atemnot gelitten und dem Gefühl von schwerem Druck auf der Lunge. Wir neigen dazu, währenddessen flacher zu atmen und gegen die Öffnung des Brustbereiches anzuarbeiten- weil sie uns Angst macht, weil es sich anfühlt, als ob wir die Kontrolle über uns und unseren Körper verlieren würden und weil wir emotional sehr berührt werden.

Das, was in unserer „Herzgegend“ lebt, wollen wir gut schützen- insofern machen wir uns dort eher „eng“, um alles (oder alle) beisammen zu halten. Lassen wir dort eine Dehnung zu, die ja auch Befreiung von Festgehaltenem bedeuten kann, könnten uns „die Felle davonschwimmen“. Also müssen wir besonders behutsam den „Drehsitz“ üben und auf Panikgefühle achtgeben.

Ein weiterer, kritischer Aspekt ist für uns, dass bei fortgeschrittener Ausübung eine derart „verknotete“ Haltung eingenommen wird, dass sie uns an eine erzwungene Körperhaltung innerhalb der früheren Folter erinnert: Eingesperrt und „zusammengepfercht“ (Kiste, Käfig, o.a.), bewegungsunfähig auf allerkleinstem Raum, freiheitsberaubt. Schaffen wir es, uns von diesen Erinnerungen zu distanzieren und genau wahrzunehmen, in welchem Kontext wir uns jetzt selbst in so eine „verdrehte“ Position begeben haben, kann es eine intensive und gesamtsystemisch heilsame Erfahrung sein, sich aus dieser Haltung wieder zu lösen (also heute lösen zu können und zu dürfen)!

Wir erleben so: Es ist genügend Platz für uns (alle) da, wir können uns „zusammenschließen“ und wieder ausdehnen,  Gefühle dürfen sein, Öffnung bedeutet nicht zwangsläufig Ausgeliefert-Sein und wir können uns stabil und sicher halten, auch wenn wir etwas tun, das das „Gleichgewicht“ sehr beansprucht. Wir sind kräftig und flexibel genug, um uns mit alter Angst zu konfrontieren und lassen uns auf eine verarbeitende Loslösung ein.

Der/die Held_in/Krieger_in:

Diese Übung macht ihrem Namen alle Ehre- wir spüren tatsächlich ein gewisses Heldengefühl, wenn wir uns mit dieser Haltung (oder einem ganzen „Helden-Zyklus“ als Bewegungsabfolge) beschäftigen. Um stabil eine Zeit lang in den verschiedenen Varianten der Heldenpose stand-halten zu können, brauchen wir Muskelkraft, eine feste Körpermitte, tiefes Atmen, Fokussierung auf einen bestimmten äußeren (Konzentrations-)Punkt und Humor. Es ist zwar ein erhabenes Gefühl, sich als HeldIn zu positionieren, aber nur so lange, wie man nicht ins Wanken oder Kippen gerät- dann kann der/die starke HeldIn nämlich auch einen recht unrühmlichen Abgang machen.

Insofern ist es wichtig, bei dieser Übung guten Kontakt zu den realistischen Körper- und Konzentrationskräften zu haben und aus der Haltung langsam und würdevoll wieder herauszugehen, bevor die Muskeln buchstäblich „abknicken“. Hierbei spüren wir, dass ein gutes Verhältnis zwischen Stolz und Demut außerordentlich förderlich ist- und wie erleichternd es ist, nicht „immer und für ewig“ Held(en) sein zu müssen.

Wir haben die Stärke, eine (überlebens)kämpferische Heldenhaltung einzunehmen, darin zu verweilen und durchzuhalten; und wir haben die Größe und die Sanftheit mit uns selbst, uns wieder zurückzunehmen, auszuruhen, weicher zu werden- ohne dabei etwas von unserer Würde zu verlieren.

Der Sonnengruß:

Diese Übung ist eine Abfolge von verschiedenen Bewegungen, die ineinander übergehen. Für uns wirkt der „Sonnengruß“ aktivierend (kreislaufanregend) und klärend (gestaute „Energien“/Gefühle/Spannungen ausleitend) und er ist eine gute Einleitung für eine Yoga-Übungssequenz. Die Bewegungsabfolge wird einige Male wiederholt, so dass wir gut wahrnehmen können, wie die Muskeln immer wärmer und lebendiger werden und unser Körper insgesamt in einen fließenden Rhythmus findet.

Wie so oft im Yoga kommt es auch hier wieder auf das „Los-Lassen“ an und auf die innere Erlaubnis, auf eigene Weise „sein“ zu dürfen. Anstrengung ist okay, Aufhören-wollen ist okay, Unlust ist okay- und sich trotzdem noch ein kleines bisschen weiter bewegen, noch eine einzige Runde durchhalten, jammern, seufzen, lachen, fluchen, Yoga nervtötend finden- das alles ist auch okay!

Der „Sonnengruß“ ist dynamisch und aktiv, man bleibt in Bewegung und fördert Bewegung- auch innerlich, bezogen auf das Persönlichkeitssystem. Innere Kommunikation, Kommentare, Gefühlswahrnehmungen, usw. können unserer Erfahrung nach beim Üben des „Sonnengrußes“ aufgeweckt und angeregt werden- und wie schon an anderer Stelle erwähnt: Humor (sich selbst nicht so furchtbar ernst nehmen) hilft da ungemein!

Mit dem „Sonnengruß“ begrüßen wir das Leben/die Lebendigkeit, den Tag, unsere körperliche Aktivität, Gefühlsregungen- und auch so etwas wie die innere Weisheit, innere Prozesse, neue Entwicklungen und überraschende Erkenntnisse. Wir vertrauen auf das, was kommt und auf unsere Fähigkeit(en), damit umzugehen.

Pendeln:

Dies ist unseres Wissens nach keine yogaspezifische Übungsweise, wir nutzen das „Pendeln“ aber gern immer wieder während einer Yoga-Sequenz, um nach anstrengenderen Positionen wieder in Bewegung zu kommen, uns zu erden, zu entspannen und strapazierte Muskeln zu entlasten. Dabei variieren wir zum Beispiel zwischen dem Pendeln mit den Armen an den Körperseiten (also mit den Armen schlenkern) und dem Pendeln um die Körpermitte/Körperachse herum.

Für manche Innenkinder ist dieses Schlenkern und Schlackern herrlich albern und lustig und ein schöner, neuer, ungefährlicher (Körper)Bewegungs-Spielraum im Heute. Gleichzeitig kann dieses spielerische Pendeln aber auch zu einem Automatismus werden (ähnlich wie Vor- und Zurück-Schaukeln/Wiegen mit dem Oberkörper) und sich der aufmerksamen Wahrnehmung entziehen.

Bei aller Leichtigkeit und Freude achten wir also auch hier sehr gut auf dissoziative Warnsignale, begrenzen die Übung zeitlich, fangen bewusst an und hören auch bewusst wieder auf!

Eine weitere Variante des Pendelns ist das Bewegen des Körpers, bei stabilen, gut mit dem Boden verbundenen Beinen. Wir kreisen dabei vorsichtig um unsere eigene Achse, bewegen uns bildlich wie ein „Schilfrohr im Wind“, testen unseren Bewegungsspielraum aus, schauen, was sich sicher anfühlt, wie weit wir uns vor, zurück und zu den Seiten lehnen können, ohne dabei den Bodenkontakt zu verlieren oder ins Straucheln zu kommen.

Wir sind ein „Pendel“, und zwar bei dieser Übung wirklich nur ein einziges und nicht „diverse Pendel in einem Körper“, denn wir müssen uns dabei zusammenschließen, uns gemeinsam in eine Richtung bewegen, nicht zappeln, nicht schubsen oder ziehen, vorsichtig sein, die Aufmerksamkeit auf die stabilen Füße richten- damit das Pendel einen verlässlichen, ruhigen Rhythmus findet.

Das Kind:

Die eingerollte Position des „Kindes“ wirkt beruhigend, entspannend, zentrierend und erdend. Wir befinden uns in einer nicht ganz liegenden, aber auch nicht mehr hockenden Haltung und können einen Teil unseres (Körper)Gewichtes an den Boden abgeben. Wir müssen uns nicht mehr ganz alleine tragen, aber auch nicht völlig loslassen. Für uns ermöglicht sich so ein Blick nach innen, eine Verlangsamung der Atmung, ein ungefährliches „in sich verkriechen“ und sanftes Trostgefühl. Nicht nur manche unserer Innenkinder mögen diese erholsame Haltung, sondern auch Erwachsene. Wenn es sich für sie zu unsicher anfühlt und ein Kontrollverlust oder Dissoziation befürchtet wird, kann es hilfreich sein, sich vom Begriff des „Kindes“ zu distanzieren und die Position eher mit einer „Schildkröte“ oder einem „eingerollten Blatt“ zu assoziieren.

Wir erleben in der „Kind-Position“: Wir sind in uns selbst zu Hause, können uns zusammenrollen und umarmen, haben einen warmen, geschützten Bauch und ein kleines, sicheres Nest in und mit unserem Körper. Wir vertrauen uns.