Bewusstseins(selbst)kontrolle und Botanik

Menschen machen Fehler. Täter*innen machen Fehler. Auch Täter*innen, die mind control ausüben und ihre Opfer so über Jahre/Jahrzehnte „trainieren“, machen Fehler.

Menschen übersehen, verwechseln, drücken sich unklar aus, vergessen, verknüpfen zu „locker“, versprechen sich, verwenden mangelhaftes Material, nutzen „gefährliches Halbwissen“ oder unüberprüftes Fachwissen. Auch Bewusstseinskontrolleure*innen tun das. Sie sind weder perfekt, noch übermenschlich, noch überall präsent.

Jene, die mind control erlebt und überlebt haben, haben auch nach Jahrzehnten der „Bewusst-losigkeit“ die Möglichkeiten und Fähigkeiten, von den Fehlern der Täter*innen zu profitieren. Wenn man einmal damit angefangen hat, Dinge zu erkennen, zu enttarnen, zu benennen und aktiv selbst zu berühren und zu bewegen, mag man mit so einer starken Dynamik und Veränderung gar nicht mehr aufhören, weil es sich einfach richtig und autonom und vor allem unbeschreiblich clever anfühlt.

Da tauchen plötzlich innere Beobachter*innen auf, die es aus Tätersicht gar nicht geben dürfte oder könnte. Da werden Logiken erkannt, Fallstricke aus dem Weg geräumt, Fremdsprachliches übersetzt. Und in all dem werden möglicherweise auch innere Suizid-Prägungen spürbar, der Drang, wieder zurückzukehren in den Täter*innenkreis; oder der Automatismus, alles Verstandene wieder zu vergessen, wird aktiviert. Was uns hilft, trotzdem weiterzugehen, die Angst vor Bestrafung und grauenhaften inneren oder äußeren Konsequenzen aus- und durchzuhalten, ist besonders die Faszination der Überlegenheit. All die kleinen und riesigen Bewegungen innen, die Verbindungen miteinander und das Begreifen von Mechanismen, das ist etwas, was „süchtig nach mehr“ machen kann.

Es tut SO GUT, wenn Innenpersonen, die „gar nicht miteinander in Kontakt kommen dürfen“ (laut Täterkreis), sich doch berühren und der Schrecken gemeinsamer Ursprünge sich langsam, aber merkbar, auflösen kann. Es tut SO GUT, wenn das passiert und niemand innen rebelliert oder gegensteuert, weil auch die Boykotteure*innen verstanden haben, dass sie belogen und ausgebeutet wurden und dass es sich großartiger anfühlt, „für sich selbst clever zu sein“, statt „im Dienste anderer zu stehen“. Es tut SO GUT, wenn sich wirklich alle aus dem Persönlichkeitssystem auf eine gemeinsame Basis zum Begriff „Schutz“ verständigen.

Es tut SO GUT, wenn sich Ängste beruhigen können: Erst ist allein die gedankliche Vorstellung, etwas „Verbotenes“ zu tun oder etwas Auferlegtes nicht zu tun, grauenhaft und unerträglich. Allein die Idee, nicht zu einem Treffen mit der Gruppierung zu gehen, obwohl man doch „muss“, ist zunächst „die Hölle pur“. Allein der Gedanke, über eine „verbotene innere Dynamik“ nicht Bericht zu erstatten, ist mit Todesangst verbunden. Und je länger man es schafft, diesen schrecklichen Druck auszuhalten und nicht täterkonform zu handen, desto belastender wird die Situation des „Wartens auf eine Bestrafung“. Man steckt fest in der Unbeweglichkeit und in einem wortwörtlichen „Teufelskreis“: Wenn wir dies und jenes nicht tun / trotzdem tun, obwohl es verboten ist, kommt die Gruppierung und wir werden die Hölle pur erleben. Wir halten das Warten nicht aus. Es ist unaushaltbar, darauf zu warten, dass man bestraft wird. Das Warten auf die Hölle wird emotional unerträglicher, als die Hölle selbst. Wir müssen das Warten beenden. Wir gehen selbst in Kontakt mit der Gruppe, berichten und bereuen, holen uns die Konsequenzen ab, wissen was kommt- aber dann ist es wenigstens erst mal vorbei.“

Dass es ein Trugschluss ist, davon auszugehen, dass die Qual „erst mal vorbei ist“, wenn man doch noch täterkonform handelt, begreift man vielleicht erst mal nicht. Es geht nur darum, den Horror der Warterei zu beenden. Daran zu denken, dass man auf diesem Wege die Bahn wieder frei macht für den Zugriff auf alle und alles, was per mind control geprägt wurde, ist zunächst gar nicht möglich. Beziehungsweise kann es vielleicht gedacht, aber nicht be-griffen werden.

Das Gehirn (auch ein mind control geprägtes!) kann sich verändern. Eingetretene Gedanken- und Gefühlstrampelpfade können verlassen werden. Neue Wege können entstehen: Verbindungswege zwischen Innenpersonen, Empfindungswege am/im Körper, Verarbeitungswege im gesamten System.

Vielleicht können „Tricks“ möglich werden. Wie weit lehnen wir uns aus dem Fenster? Schaffen wir es, den Zwang, über etwas der Gruppierung Bericht zu erstatten, auszuhalten, oder müssen wir irgendwas tun, weil es nicht anders geht? Was tun wir? Wie viel „muss sein“, wie viel „dürfen wir lassen“? Was sagen wir wo? Sagen wir alles? Nur ein bisschen? Halbwahrheiten? Wo und wie können wir unsere innere Überlegenheit gegenüber der Gruppierungen aushalten- dürfen wir schlauer sein? Dürfen wir das nutzen? Dürfen wir jene belügen, die uns belogen haben? Dürfen wir deren Fehler gegen sie verwenden?

All das denken und formulieren wir innerlich, während wir mal wieder im Gemüsegarten (außen! :-)) aktiv sind. Wir rupfen Beikräuter raus, reichern den Boden mit Kompost an, füllen Hochbeete auf. Im Gewächshaus sprießen Setzlinge. Wir sind körperlich angestrengt: Umgraben, ausgraben, Schubkarre füllen, Pflanzenerdesäcke schleppen, hinknien, wieder aufstehen, hocken, sich strecken, bücken… Zwischendurch nervt uns die ganze Plackerei.

„Lass den Scheiß doch einfach!“, denkt es manchmal, vor allem dann, wenn wir versuchen, bestimmte Beikräuter loszuwerden, die wirklich weg müssen, aber nicht weg wollen und sich verbreiten wie verrückt. „Warum haben die größten Arschlöcher die besten, stärksten und längsten Wurzeln?“ Das ist keine rein botanische Frage. ;-)

Wir wissen, dass sich die Mühe lohnt. Wir könnten zwischendurch aufgeben und einfach alles überwuchern lassen. Wir könnten jene Arschlöcher und deren Wirken einfach dort lassen, wo sie sich schon seit Jahrzehnten eingebürgert haben. Wir können aber auch den Kampf mit den Wurzeln aufnehmen. Und Platz schaffen für das, was wir gern wachsen lassen wollen. Dazu müssen wir wahrnehmen können, was uns gefällt, was nützlich ist und zukunftsfähig. Solche Innenwahrnehmung zu lernen und zu etablieren kann sich wunderbar herzberührend und breitgrinsend-schlau anfühlen. Mehr davon, bitte!

In-sich-selbst-groß-wachsen macht eben süchtig.

 

 

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Und noch eine Lektion, diesmal IM Balkon(kasten)

Eine Kleine ist wach. Sitzt im Bett und will ein Honigbrot. So früh noch nicht, denke ich, wir essen nie so früh und überhaupt- warum sind wir schon wach? Und noch mal überhaupt: Was macht dieses Kind am Morgen schon hier?

Offenbar hat die Kleine was Spannendes geahnt, denn unsere Lebensgefährtin kommt mit dem Handy herein. Sie war im anderen Zimmer, dort, wo der Balkon angrenzt. Sie zeigt der Kleinen Fotos und erzählt die aufregende Guten-Morgen-Geschichte:

Als sie die Vorhänge öffnete, sah sie, dass eins der Amselkinder im Balkonkasten saß. Glücklicherweise waren unsere Katzen noch drinnen, eine von beiden hockte schnatternd auf der Fensterbank, die andere schlief noch an unserem Fußende. Wie das Amselkind IN diesen Balkonkasten gekommen ist, bleibt ein Rätsel, denn es muss dafür das Katzenschutznetz und eine gewisse Höhe überwunden haben, was ihm zumindest gestern Mittag noch nicht so richtig zuzutrauen war.

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Unsere Lebensgefährtin betrat den Balkon, schob den Federpuschel unter lautem Gezeter der Eltern in einen Blumentopf und trug es hinaus in den Garten. Dort zeigte es dann, dass es offenbar über Nacht das Fliegen gelernt haben muss. Noch etwas ungelenk, aber auf jeden Fall so, dass es sich auf Bäumen, in Büschen oder Häuservorsprüngen in Sicherheit bringen kann. Oder halt auf unserem Balkon.

Die Kleine hört sich die Guten-Morgen-Geschichte an und betrachtet fasziniert die Beweisfotos. Dann steht sie auf, macht sich ein eigenes Bild von der Lage auf, im und am Balkon und lässt die inzwischen erwachte Fußendenkatze hinaus. Diese klettert in ihren (!) Balkonkasten und schnuppert verwirrt und ein bisschen empört. Ich denke: „So sehe ich bestimmt auch aus, wenn ich die Keksdose öffne und den ehemaligen Inhalt nur noch riechen, aber leider nicht mehr essen kann, weil jemand anders schneller war.“

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Jetzt ist ein wenig Zeit vergangen und das Honigbrot ist immer noch nicht serviert worden. Die Kleine ist wieder im Off verschwunden und ich sinniere über die heutige Balkonlektion. Da hat sich ein Vogelkind einfach verirrt oder vielleicht war es auch neugierig? Vielleicht hatte es aus der Ferne schon die gemütliche, freundliche, aber aufmerksame Katze in diesem Kasten gesehen und sich überlegt, dass es dort bestimmt sehr kuschelig-warm sein müsste? Vielleicht hatte es Sehnsucht nach dem warmen, bequemen Nest? Wollte nicht selbständig werden, sondern zurück in den Schoß der Familie? Ließ sich vom sicheren Schein blenden? Verwechselte das elterliche Nest nebenan im Efeu und das fremde Nest im Kasten? Vielleicht hatte es Streit mit den Geschwistern oder mit Mama und/oder Papa? Vielleicht war es ein stummer Hilferuf: „Nehmt mich auf, adoptiert mich! Ich will nicht raus in die große weite Welt!“? Möglicherweise war es ein aggressiver Protest, eine verzweifelte Kamikazeaktion, ein verwirrter, desorientierter Zustand?

Ich starre auf die Primeln im Topf, die ein bisschen die Köpfe hängen lassen. Die Sonne scheint. Die Welt ist im Moment völlig in Ordnung. Nur meine Gedanken sind ein bisschen… wirr?

Was uns fehlt, ist dieses beknackte Honigbrot!

Lektion am Balkon

Bei uns vor dem Balkon ist was los: Die drei Amselkinder sind flügge. Ihr Nest war wie jedes Jahr im Efeu an der Mauer direkt neben unserem Fenster. Jetzt hüpfen sie seit ein paar Tagen durch den Garten, versuchen zu fliegen, werden aber noch von den Eltern gefüttert. Das ist ein Gefiepe und Geraschel! Unsere beiden Katzen verfolgen das Ganze wahlweise von der Fensterbank aus oder im Balkonkasten sitzend. Sehr spannendes Katzenkino!

Es lauern jedoch auch große Gefahren: Eben verjagten wir gemeinsam mit wild schreienden Amseleltern eine dicke, hungrige Krähe. Da nützt es auch nichts, dass wir eine Herzliebe und Verbindung zum Rabenvolk verspüren: Kleine hilflose Federpuschelbällchen müssen gerettet werden. Kurz darauf versuchten zwei Elstern ihr Glück. Es bleibt dramatisch und kriminell und auch absolut goldig vor unserem Balkon.

Als wir das Fenster aufrissen und gemeinsam mit den Vogeleltern Lärm gegen die Räuber veranstalteten, kam innerlich Traurigkeit auf. Zuerst wurde das als Angst um die Amselkinder interpretiert. Jetzt wissen wir es aber besser, denn es wurden auch noch Sätze hörbar:

‚Wenn sich Menscheneltern bloß auch mal so gut um ihre Kinder kümmern würden. Und wenn bloß mal alle Erwachsenen zusammenarbeiten würden, damit Kinder nicht geräubert werden. ‚

Dazu können wir gerade nur nicken.

Und wir speichern innerlich ab, dass manchmal ordentlich Lärm gemacht werden muss, um Gefahren abzuwenden. Selbst wenn ein Räuber sich noch so schön und faszinierend präsentiert: Seine Absicht zählt.

Wir halten Augen und Ohren offen.

Dans les histoires

Je vis seul. Dans ma tete, il y a les autres, je sais. Les histoires ici, ils sont mon maison. J’habite dans les histoires. C’est intelligent, n’est pas? Je ne veux pas parler directement avec les autres. Je ne peux pas. Je detruis tout si je me presente clairement. Je ne veux pas faire des erreurs. Parce que c’est peut-etre tres dangereux si je fais quelque chose touchant les autres dans la tete. Je me cache un peu. Vous connaissez le mot allemand: Tarnkappe?

C’est tres important que les autres comprennent que je ne suis pas tetue. Je protege. J’ai 13 ans et je suis fou un petit peu. Mais je suis une protecteuse. Donc les autres doivent reconnaitre mes histoires et moi dans les histoires.

Et vous, qui lisez mes mots: ca faut le coup a chercher les protecteurs dans la tete. Peut-etre ils sont les enfants ou les adolescent seulement. Ils font le travail precieux.

Merci!

A bientot.

M.

 

Übersetzung:

In den Geschichten

Ich lebe allein. In meinem Kopf gibt es andere, ich weiß. Die Geschichten hier, sie sind mein Zuhause. Ich wohne in den Geschichten. Das ist schlau, oder? Ich möchte nicht direkt mit den anderen sprechen. Ich kann nicht. Ich zerstöre alles wenn ich mich klar zeige. Ich will keine Fehler machen. Weil es vielleicht sehr gefährlich ist, wenn ich etwas „die anderen im Kopf Berührendes“ mache. Ich verstecke mich ein bisschen. Kennt Ihr das deutsche Wort: „Tarnkappe“?

Es ist sehr wichtig, dass die anderen verstehen, dass ich nicht stur/störrisch bin. Ich beschütze. Ich bin 13 Jahre alt und ich bin ein bisschen verrückt. Aber ich bin eine Beschützerin. Also, die anderen müssen meine Geschichten erkennen und mich in den Geschichten.

Und, Ihr, die Ihr meine Worte lest: Es lohnt sich, Beschützer im Kopf zu suchen. Vielleicht sind es nur/erst Kinder oder Jugendliche. Sie machen kostbare Arbeit.

Danke!

Bis bald.

M.

(Anmerkung: Deutschsprachige Kommentare sind völlig okay! :-) )

 

dans ma tête

salut! c´est mon tour maintenant.

je veux parler des habitants qui vivent dans une cabane, dans l´arbre.

il y a une sorcière aves des cheveux blancs. elle est renfermée sur elle-même. elle n´a pas des amis humain. mais elle n´est past seule.

dans l´arbre il y a trois petits animaux: un moineau, qui aime dormir dans les cheveux en hiver, un écureuil, qui se retranche derrière la sorcière si la grande chatte veut chasser, et une chouette avec des ailes grandes et argenté.

la chouette observe trés bien le paysage. elle peut regarder le danger à temps. par exemple elle regarde si le temps est à l´orage.

l´écureuil peut écouter trés bien et il est trés rapide. il récolte des noix pour la sorcière. elle fait le gâteau ou le pain. et l´écureuil écoute quand les branches d´arbre commencent à grésiller. Dès lors, tout le monde sait que l´air était vif.

le moineau peut voler trés beau et rapide. il peut faire des vols artistique. et ca, c´est trés important, parce que la sorcière est parfois triste. c´est parce qu´elle regrette sa cheveux rouges. depuis des années ils sont blancs, mais enfant, ils étaient rouges.

maintenant, tu connais les habitants de la cabane dans l´arbre. ca, c´est une histoire dans ma tête. les autres histoires, je préfère ne pas en parler. dans certains cas il faut mieux se taire.

à bientôt,

M. (13 ans)

 

Übersetzung:

In meinem Kopf

Hallo! Jetzt bin ich dran.

Ich will über Bewohner sprechen, die in einer „Kabine im Baum“ wohnen (Baumhaus?).

Es gibt eine Zauberin (Hexe?) mit weißen Haaren. Sie ist in sich gekehrt. Sie hat keine menschlichen Freunde. Aber sie ist nicht allein.

Im Baum gibt es drei kleine Tiere: Einen Spatz, der gern in den Haaren schläft im Winter, ein Eichhörnchen, das sich hinter der Zauberin versteckt, wenn die Katze sich entscheidet zu jagen, und eine Eule mit großen, silberfarbenen Flügeln.

Die Eule beobachtet sehr gut die Landschaft. Sie kann die Gefahr rechtzeitig sehen. Zum Beispiel kann sie sehen, wenn ein Gewitter kommt.

Das Eichhörnchen kann sehr gut hören und ist sehr schnell. Es erntet Nüsse für die Zauberin. Sie macht Kuchen oder Brot. Und das Eichhörnchen hört, wann/wenn die Äste des Baumes zu knistern/rauschen anfangen. Von diesem Zeitpunkt an wissen alle, dass die Luft kalt/frisch wird.

Der Spatz kann sehr schön und schnell fliegen. Er kann künstlerische Flüge machen. Und das ist sehr wichtig, weil die Zauberin manchmal traurig ist. Das ist so, weil sie ihre roten Haare „bedauert“ (vermisst?). Seit Jahren sind sie weiß, aber als Kind waren sie rot.

Jetzt kennst du die Bewohner des Baumhauses. Das ist eine Geschichte in meinem Kopf. Über die anderen Geschichten spreche ich lieber nicht. In manchen Fällen ist es besser zu schweigen.

Bis bald.

M. (13 Jahre)

(Anmerkung: Deutschsprachige Kommentare sind völlig okay! :-) )