wenn es-du-ich offen sein darf(st)

Es sind diese Öffnungen nach innen und nach außen, die immer wieder Wendepunkte im Leben und in deinem Innern darstellen können. Dafür zu sorgen, dass nichts auf- und (sei es aus Versehen oder automatische Reaktion auf Auslösereize) „raus“fällt (ins Sicht- und Spürbare), alles in geregelten Bahnen läuft, weder nach oben, noch nach unten großartige emotionale Ausschläge passieren- das ist quasi über Jahrzehnte etabliert, „gekonnt“, verkörpert. Es ist ein Aspekt des Gesamtsystems.

Öffnet sich jedoch etwas (oder jemand), und sei es nur, indem zu einer Blockade oder einem Versteck eine (kleine) Distanz hergestellt wird- dann fließt das Leben (wieder). Bedeutet nicht, dass es immer „angenehm“ fließt: Manchmal kommt etwas so schnell in Bewegung, dass es sich wie ein reißender Fluss oder eine riesige Welle anfühlt, die dir fast den Atem nimmt. Oder aber es tröpfelt nur ganz verhalten und du würdest dir wünschen, es ginge alles schneller. Es bleibt dann hoffentlich das Vertrauen (oder die Hoffnung), dass es schon gut und richtig sein und kommen wird.

Dass etwas (oder jemand*e) frei fließen will (wollen), ist auch ein Aspekt des Gesamtsystems. Doch davor und dahinter und mittendrin: Festgehalten, eingefroren, erstarrt, von Angst gefesselt sein. Gestaute (traumabezogene) Energie. Und in all dem: Auch loslassen wollen. Bewegen und bewegt sein wollen. Fühlen und verbinden dürfen wollen.

Eine gereichte Hand nicht anzunehmen und sich dabei unabhängig und geschützt zu fühlen, ist vielleicht keine große Kunst. Innere Ambivalenzen darin wahrzunehmen schon eher. Was passiert, wenn ich „ja“ sage und gleichzeitig ein „Nein“ fühle? Und welche Konsequenzen hat es, wenn es sich andersherum darstellt? Wo und wie kann ich in meinem Denken, Fühlen und Tun „eins“ sein, stimmig und klar- wenn „ich“ doch gar nicht „Eine*r“ bin?

Öffnung trotz aller Verschiedenheiten und Widerstände, ohne zu wissen, was kommen mag und könnte- irgendwie mit sich selbst nackt dastehen, ungeübt und verletzbar. Was habe ich wirklich zu verlieren? Was verliere ich, falls es weh tun sollte?

Emotionaler Dehnungsschmerz. Raus aus der Eiszeit und hinein in die Erwärmung. Es ist auch eine Entscheidung. Wie wunderbar, wenn es gute Gründe für ein „Ja“ geben kann.

Es könnte passieren, dass die befürchtete Katastrophe ausbleibt. Es könnte sein, dass Dir nach der Eiszeit jemand eine warme Decke reicht.

Es könnte sich alles „richtig“ anfühlen.

Wenn du es selbst beginnst.

Ich muss dir was sagen.

Es ist diese Zeitspanne, in der du das Herzklopfen kaum beruhigen kannst. Bist du bescheuert? Warum hast du das gemacht? Es war doch alles gut! Jetzt wird es kompliziert und das nur, weil du ‚authentisch‘ sein willst?

Es ist diese Zeitspanne, in der du innerlich stehenbleibst und den Atem anhältst. Es geht um eine Entscheidung, einen Wendepunkt; etwas, das sich nicht verhindern lässt, wenn ein Kontakt die Schwelle zur Freundschaft überschreiten soll.

Es ist diese Zeitspanne, in der du damit rechnest, dass jetzt gleich etwas zerbrechen wird und in der du gleichzeitig nicht aufhören kannst zu hoffen, dass es doch GUT werden wird.

Es geht um etwas, das zu wichtig ist, um ungesagt zu bleiben und zu selbstverständlich, um ein Drama daraus zu machen.

Es ist diese Zeitspanne, die zwischen ‚Ich möchte dir sagen/schreiben, dass ich Viele bin!‘ und der Reaktion darauf liegt.

inklusive Gedanken

Nein, Du musst dich nicht einfacher machen. Du musst nicht leichter werden, damit andere es leichter haben. Du musst Dich nicht ansehnlich darstellen, nichts verschönern, nichts überschminken. Du bist natürlich gut.

Ja, Du darfst wütend und traurig darüber sein, ausgeschlossen zu werden. Du bist Teil der Gesellschaft und wirst behindert, Dich auch so zu leben. Vielleicht vermittelt man Dir, Du seist zu fordernd, zu kompliziert, zu krank, zu schlau, zu anders, zu arm, zu dumm. Fakt ist: Kein Mensch ist „zu irgendwas“. Jeder Mensch ist. Punkt.

Kann sein, dass es sich für Dich besser oder erträglicher anfühlt, wenn Du Dich an die Umstände anpasst. Möglich, dass es manchmal die einzige machbare Lösung ist, statt sich vor Verzweiflung, Ohnmacht, Verletzung oder Erschöpfung aus dem Leben zu verabschieden.

Vielleicht meint jemand, Du seist eh selbst Schuld, wenn Du nicht kämpfst, nicht aufbegehrst, nicht politisch aktiv wirst, deine Stimme nicht erhebst? Oder jemand sagt, Du hättest Dich Deinem Schicksal gefügt? Ich antworte: How dare you?!

Ganz sicher sind es die Strukturen und nicht die Menschen, die angepasst werden müssen, damit alle gut leben können. Und ganz sicher sind es Menschen, die die Strukturen schaffen. Warum also machen wir es uns so schwer?

Anyway, wie siehst Du das eigentlich?

„Sie war erst knapp zwei Jahre alt!“

Meine Wutattacke der Woche:

Sexualisierte Gewalt gegen Kinder ist IMMER grauenhaft, egal, in welchem Alter das Kind bei der Tat war oder ist! Wenn in Medien (oder Privatgesprächen) formuliert wird, dass „das Opfer ERST wenige Monate / ein, zwei, drei Jahre alt war/ist“, möchte ich brechen! Wird es harmloser oder besser erträglich, wenn es sich um ein sieben-, zehn- oder zwölfjähriges Kind handelt? Ist der/die Täter*in ein besonders monströses Arschloch, wenn er/sie ein Kleinkind vergewaltigt- und eher ein mittelmonströses Dreckschwein, wenn das Opfer bereits jugendlich ist?

Ich kotze, wenn ich realisieren muss, dass sexualisierte Gewalt immer noch und immer wieder „exotisch“ dargestellt wird. Sie findet in JEDEM Kontext, überall und in jedem Alter statt. Punkt.